{"id":773,"date":"2013-06-01T19:53:06","date_gmt":"2013-06-01T17:53:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.waldfreibad.com\/?p=773"},"modified":"2015-03-02T19:55:35","modified_gmt":"2015-03-02T18:55:35","slug":"am-beckenrand-mit-ein-wassermann-im-regen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.waldfreibad.com\/?p=773","title":{"rendered":"AM BECKENRAND MIT&#8230;: Ein Wassermann im Regen"},"content":{"rendered":"<p class=\"vorwort\">Badische Zeitung: 01. Juni 2013<\/p>\n<p class=\"vorwort\"><strong>Olaf D\u00f6hring \u2013 Schwimmmeister im 971 Meter hoch gelegenen Waldfreibad H\u00e4usern-H\u00f6chenschwand<\/strong><\/p>\n<p class=\"vorwort\">Mit seinem Helfer rollt Olaf D\u00f6hring die blaue Schutzplane \u00fcber dem Becken aus, die W\u00e4rme soll nicht entweichen. Dabei hat der Tag eigentlich vielversprechend begonnen mit Sonnenschein: Zeitweise wurden in H\u00f6chenschwand auf knapp 1000 Metern H\u00f6he 20 Grad gemessen, das Wasser ist immer mindestens 22 Grad warm. Verglichen mit den k\u00fchlen Tagen zuvor war m\u00e4chtig was los. Doch dann kamen sie zur\u00fcck: Regenwolken. Olaf D\u00f6hring zuckt die Schultern: &#8222;Was will man machen?!&#8220; Dominik Bloedner hat ihn am Arbeitsplatz besucht.<\/p>\n<p>Wie viel Sonne im Herzen braucht man als Fachangestellter f\u00fcr B\u00e4derbetriebe \u2013 so lautet D\u00f6hrings offizielle Berufsbezeichnung \u2013 an Schmuddeltagen wie diesen? Man macht das Beste daraus und lacht auch ohne Galgenhumor. Ohnehin gibt es im Bad immer was zu tun. &#8222;Ich bin hier nicht nur der Bademeister, sondern auch der Hausmeister&#8220;, sagt D\u00f6hring. Der 44-J\u00e4hrige k\u00fcmmert sich um die Technik, die Filteranlagen, die Pumpen, den Gasbrenner, er schneidet die Hecke, er wienert die Kacheln, er pumpt die Volleyb\u00e4lle auf. Und ja, f\u00fcr ein Schw\u00e4tzchen mit den Stammg\u00e4sten, die auch bei widrigsten Umst\u00e4nden tapfer ihre Bahnen in dem 50 Meter langen Becken ziehen, bleibt immer Zeit.<\/p>\n<p class=\"vorwort\">Vor zwei Wochen ist hier im Hochschwarzwald bei Nieselregen die Badesaison er\u00f6ffnet worden, die meisten anderen B\u00e4der in der Region sind immer noch zu, auf dem Feldberg liegt derzeit Schnee \u2013 Fr\u00fchling geht anders. &#8222;Sicher, in ein Schwimmbad geh\u00f6ren Kinderlachen und Leben&#8220;, sagt D\u00f6hring. Er nimmt den Regen hin, ein Magengeschw\u00fcr will er sich deswegen nicht holen. &#8222;Wasser ist nun einmal mein Element, ich bin im Zeichen des Wassermann geboren.&#8220; Er schaut jeden Morgen im Internet nach dem Wetter und hofft nun auf die zweite Juniwoche, da soll es endlich besser werden. Dann kommen auch die Touristen aus Holland und Norddeutschland, die Leute aus der Rheinebene und der Schweiz, die \u00e4lteren Damen aus St. Blasien, die Familien aus der Nachbarschaft.<\/p>\n<p>D\u00f6hring wartet. Er ist seit 13 Jahren jeden Sommer hier, und nicht jeder Sommer kann so sein wie der Rekordsommer 2003. Er ist der einzige Festangestellte des Bades, er kennt alle, nicht wenigen hat er Brustschwimmen und Kraulen beigebracht. Er selbst hat das im Rheinschwimmbad in Schw\u00f6rstadt gelernt. &#8222;Mein Vater hat mich als kleinen Bub\u2019 einfach hineingeschmissen, aber es hat funktioniert&#8220;, erinnert er sich.<\/p>\n<p>D\u00f6hring w\u00e4chst in Murg auf, lernt Schreiner, friert bei der Bundeswehr in der Kaserne in Stetten am kalten Markt, jobbt in Fabriken und schult schlie\u00dflich Mitte der 90er Jahre zum Schwimmmeistergehilfen um. Er lernt im Fach Biologie, wie der menschliche K\u00f6rper funktioniert, er b\u00fcffelt in Chemie, wie das mit der Wasseraufbereitung geht, er paukt Rechts- und Verwaltungskunde. Und nat\u00fcrlich muss er beweisen, dass er nicht nur selbst recht passabel schwimmt, sondern dass er auch das Leben anderer im Wasser retten kann.<\/p>\n<p>&#8222;Das war anspruchsvoll und vielf\u00e4ltig. Das Klischee des Bademeisters mit dem Goldkettchen, der den M\u00e4dchen auf den Po guckt und das ganze Trulala, das entspricht nicht mehr der Realit\u00e4t&#8220;, sagt D\u00f6hring und schmunzelt. Nach Abschluss der Umschulung verliebt er sich auf 971 Metern \u00fcber dem Meeresspiegel: in das 1974 von den beiden Gemeinden H\u00e4usern und H\u00f6chenschwand gebaute Waldfreibad. Wenn es hier oben dunkel wird, dann kommen die Rehe aus dem Wald, auf der Liegewiese sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Ein Idylle hoch oben.<\/p>\n<p>Den Rekord f\u00fcr das h\u00f6chste Freibad in Deutschland nimmt allerdings das Bad in Todtnauberg f\u00fcr sich in Anspruch. Es liegt nach eigenen Angaben knapp 14 Meter h\u00f6her \u2013 aber es macht erst Mitte Juni auf. Vor acht Jahren drohte dem Bad in H\u00f6chenschwand das Aus, die Kassen in den beiden Kommunen waren leer. Doch es kam zu einem Aufschrei in der Bev\u00f6lkerung. Ein F\u00f6rderverein mit derzeit knapp 400 Mitgliedern hat sich gegr\u00fcndet und das Bad \u00fcbernommen, er wird nun von den beiden Gemeinden mit je 50 000 Euro pro Jahr bezuschusst. Es hat funktioniert, vor Saisoner\u00f6ffnung sind bereits 283 Dauerkarten verkauft worden.Wenn in der gesamten Saison 20 000 Badeg\u00e4ste gez\u00e4hlt werden, dann war es eine gute Saison.<\/p>\n<p>D\u00f6hring selbst kommt er nur noch selten auf den Startblock, sein 19-j\u00e4hriger Sohn ist im Wasser mittlerweile schneller als er. Doch es geht nicht um Rekorde, es geht ums Schwimmen, um die Freude daran. D\u00f6hring erz\u00e4hlt, wie er einmal einem von einem Unfall im Wasser traumatisierten Kind das Schwimmen beigebracht hat und wie dessen Mutter dann am Beckenrand vor R\u00fchrung weinte.<\/p>\n<p>Und das Wetter? Es wird schon. Ansonsten muss er sich auf den Winter vertr\u00f6sten. Denn den verbringt er immer in S\u00fcdostasien bei Freunden und fernab des Massentourismus. Auf dem Programm stehen Angeln, Hochseefischen, Sonne und nat\u00fcrlich jede Menge Wasser.<\/p>\n<div id=\"attachment_774\" style=\"width: 440px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.waldfreibad.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Olaf_Interview-2013.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-774\" class=\" wp-image-774\" src=\"https:\/\/www.waldfreibad.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Olaf_Interview-2013-300x229.jpg\" alt=\"Olaf D\u00f6hring, Schwimmmeister im Waldfreibad H\u00e4usern-H\u00f6chenschwand, an seinem Arbeitsplatz Foto: Dominik Bloedner\" width=\"430\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/www.waldfreibad.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Olaf_Interview-2013-300x229.jpg 300w, https:\/\/www.waldfreibad.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Olaf_Interview-2013.jpg 1024w, https:\/\/www.waldfreibad.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Olaf_Interview-2013-624x477.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 430px) 100vw, 430px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-774\" class=\"wp-caption-text\">Olaf D\u00f6hring, Schwimmmeister im Waldfreibad H\u00e4usern-H\u00f6chenschwand, an seinem Arbeitsplatz Foto: Dominik Bloedner<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Badische Zeitung: 01. 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